20. November: Kirchberg an der Pielach

Erkundungstag: „Was macht Kirchberg lebenswert und was ist für dich ein lebenswertes Leben?“

 

Lukas und Georg durften einen Tag den Ort Kirchberg besuchen. Das Ziel: Keines, oder doch: Schätze finden und es sollten viele werden. Darum ist auch der Bericht sehr lang, aber hoffentlich inspirierend.

Der erste Weg war zum Bürgermeister. Termin hatten wir keinen, doch er war da und so hat sich Anton Gonaus gleich für einen kurzen Austausch Zeit genommen. Ein sehr angenehmer Mensch, der Herr Bürgermeister.

Der nächste Weg führte zu unseren Zukunftsgestaltern, also auf in den Kindergarten. Die Sprache der Kinder ist noch sehr einfach. Als besonderer Schatz wurde der Pfarrwald genannt.

 

 

 

So, weiter in die Volkschule, rein in den Konferenzraum. Das war eher ein Überfall, aber da sass gleich eine Lehrerin, die Produkte direkt vom Bauern liegen hatte. Da konnten wir nur richtig sein. Schnell waren einige Einladungen da, in den Klassen auf Schatzsuche zu gehen.

Es hat nur so gesprudelt an Wünschen und Ideen der Kinder Also war der Blick nicht auf das gerichtet, was an Schätzen da ist, sondern mehr auf Wünsche; einige davon: ein Kino sollte da sein; eine Kletterhalle bzw. Park; ein Raum für Kindertreff; alle sollen zum Rauchen aufhören; Eltern mehr mit Kindern spielen; im Zentrum weniger Autos; Tennisplatz sollte für Kinder gratis sein; der Milchpreis sollte steigen. Ein gemeinsamer Tenor der Kinder war  "unsere Welt zu verstehen und wertzuschätzen“.

Als Schatz haben wir die Förderung des Handwerks mitgenommen. Die Kinder haben mit solch einer Freude ihr eigenes Stirnband gestrickt. So etwas hat doch einen viel höheren Wert, als was gekauftes, und ist vielleicht auch noch hochwertiger in den Materalien.

 

 

Wie ging es weiter?

Wir wollten Menschen begegnen, die in Eigenverantwortung leben, auch die Gestalter des Ortes. Produkte aus der Region zu fördern, ist ein Bindeglied dazu. So durften wir ua. im SPAR Geschäft eine schöne Ecke an regionalen Produkten entdecken.

 

 

Bleiben wir auf der regionalen Spur; was gibt es noch?

Den Dirndl-Fleischhauer Hubmayer. Die Fleischerei ist ein Teil, fasziniert haben wir uns die vielen Produkte aus der Region angeschaut. Ein besonders kreatives Geschenk ist eine Kette aus Dirndlkernen und zudem wunderschön!

 

Zum Erforschen, wo denn der Ursprung natürlicher Lebensmittel liegt, durften wir Sepp und Sohn Michel Enne vom Thalhof entdecken. Bauern, die hinterfragen, viel altes Wissen haben, und respektvoll und in Achtung mit der Natur- und Tierwelt umgehen. Hier gibt es noch einen handbefeuerten Dörrofen, wo Obst und Nüsse gedörrt werden. Beeindruckt hat uns auch Jungbauer Michel mit seinem Wissen. Er erklärte uns zum Beispiel, warum bei den Kühen die Hörner wichtig sind. Sprecht mal mit ihm und dem Sepp, sie haben viel mitzuteilen.

 

Bei all unseren Besuchen hören wir, es ist so wichtig, die Jungen für ein aktives Dorfleben zu gewinnen. Julia Kollermann, die Obfrau der örtlichen Landjugend und auch sonst in vielen Bereichen aktiv, hat bereits bei der Einladung mitgewirkt.  Wir haben sie am Nachmittag besucht und durften auch die Mutter und den Vater kennenlernen. Eine Familie mit Herz und Hausverstand. 

Julia, danke für dein Wirken!

 

Dann  der Abend zum Thema „Was macht Kirchberg lebenswert und was ist für dich ein lebenswertes Leben?“

Vorweg, einige Stühle sind leer geblieben - es waren gleichzeitig noch eine Landjugend und eine Rot-Kreuz-Veranstaltung. Diese Stühle waren für die ausgebliebenen „Nachzügler“ gedacht. Es passt immer so, wie es ist und alles soll im gesunden Maß sein. 

 

Neues entsteht bekanntlich, wenn einer die Verantwortung übernimmt. Oft sind es jene, die ohnehin schon im Gemeinwohl wirken. Danke Gerhard!

(Im Bild mit Lukas von der Dachorganisation)

 

Die Frage, was Kirchberg lebenswert macht, wurde von vielen mit sehr dankbaren Hinweisen beantwortet. Dieses Pielachtal ist jedenfalls was sehr Weiches, Angenehmes, etwas Behütetes. Als Antworten auf die Frage „Was ist für mich ein lebenswertes Leben?“ kamen Aussagen wie:

Naturnahe Lebensmittes sind wichtig; wenn ich einen freien Kopf habe;  wenn ich in Frieden leben kann; wenn ich eine lebenwerte Umwelt für die Kinder hinterlasse; wenn soziale Sicherheit da ist; wenn ich gesund bin; wenn ich Freundschaften habe; gutes Wasser; ein Zuhause mit Vertrauen und Geborgenheit zu haben; wenn ich Freiheit habe; wenn ich meinen Interessen nachgehen kann; wenn ich mein Talent entfalten kann; mein Hobby zum Beruf machen, etc.

Die Frage wäre nun:

Leben wir diesen Leben schon, oder was braucht es, um diese Ziele zu leben?

 

 

 

Gerhard Weinberger, der Initiator des Abends, hat sich darüber viele Gedanken gemacht. Er hat ein einzigartiges Puzzle entwickelt, wo jeder einen Teil übernimmt. Jeder Teil ist sein Potential, das er Leben möchte und ideal in die Gemeinschaft einbringt. Das Gesamtbild der Puzzlestücke (ein Baum) zeigt so schön: wenn auch nur ein Mensch sein Potential zurück hält, oder der Meinung ist, seine Fähigkeiten sind nicht gefragt oder nicht so wichtig, fehlt ein Stein; das Bild / der Baum ist nicht komplett.

Auch im Namen von Gerhard ein herzliches Danke an die Künstlerin Helga Schmid, die dieses Bild so liebevoll bemalt hat.

 

 

Welche Fähigkeiten, bzw. Stärken waren in der Runde (siehe im  Bild: "Unsere Schätze", die jeder aufgeschrieben hat):

Bin Ideenreich; kommunikativ; mache mit Hingabe; habe Organisationstalent; gute Lehererin, erkenne Stärken; fördere das Miteinander reden; kann gut zuhören; lache gerne; habe Lebenserfahrung und "altes Wissen"; bin offen für Neues; lebe soziales Engagement; helfe ehrenamtlich; singe gerne; kann verschiedene Produkte selbst produzieren; bin selbstbewusst; koche gerne und gut; pflege Freundschaften; bin gut in Konfliktbewältigung; nähe und stricke gerne; habe handwerkliches Geschick; tanze gerne; halte Familie und Enkerl zusammen; Gebe gerne Liebe und Geborgenheit; Ich behalte gerne die Zeit im Auge; Organisation; mache gerne Landschaftspflege; Ich bin kreativ; bin ausgeglichen, freundlich und ein Familienmensch; leben gesunde Ernährungsweise, Bewegung und positives Denken; bin mitfühlend und fröhlich; bin motivierend für andere; bin gemeinschaftsorientiert; bin zielstrebig; kann gut einteilen, Struktur; etc.


Wie in dem Puzzle, ginge es nun darum, alle Teile, alle Fähigkeiten zu einem großen Gesamtbild - zum Gemeinwohl - zusammenzufügen. Das ist die Zielsetzung der lebenswerten Gemeinde.


Im Anschluss war noch das Thema, was können wir an konkreten „Projekten“ initiieren und Kreatives miteinander tun.

Einer der Anwesenden hat mal für sein Kind selbst einen Güllemischer gebaut, der wurde von vielen begeistert angenommen. Zum Thema Handwerk: es wäre sinnvoll, eine Möglichkeit zu schaffen, Geräte mehr zu reparieren, anstatt vorschnell wegzuwerfen und was Neues zu kaufen (Repair Cafe).  Es wurde auch darauf hingewiesen, dass es schon sehr viel Dienliches gibt im Ort und im Tal: das gilt es, über den Rahmen "Lebenswerte Gemeinde Kirchberg" zu stärken und breiter in die Bevölkerung zu bringen; eben sichtbarer machen und auch Bewusstsein schaffen, wie zum Beispiel für vorhandene Ressourcen im öffentlichen Verkehr (Himmelstreppe der Mariazeller Bahn). Eine schöne Idee ist von Gerhard gekommen, nämlich eine "Generationen-Lernwerkstatt", wo alt und jung gemeinsam und voneinander lernen; zum Beispiel wo alt/jung gemeinsam kochen, altes Wissen weitergegeben wird oder moderne Techniken vermittelt werden. Unsere dynamische Julia Kollermann hat das gleich gut gefunden.

Da gemeinsames Tun oft zuerst einer Begegnung und Kommunikation bedarf, wurde auch ein regelmässiger "Bürger-Treff" vorgeschlagen, wo Menschen sich jenseits von Status, Beruf und Einkommen einfach als Menschen treffen und miteinander reden, vorzugsweise in einem förderlichen und respektvollen Umfeld.

 

 

Es tut sich wahrlich viel in der Region. So ist es auch sehr treffend, dass die Sozial- und Kulturinitiative "TU Was, dann tut sich was" im Pielachtal aktiv ist. All diese Projekte können die zu schaffende „Lebenswerten Gemeinde Kirchberg“ als Rahmen nutzen. Hier Mehr Information zur Initiative "TU was, dann tut sich was" in der Leaderregion Mostviertel-Mitte.

 

Die Menschen, die da waren, sie waren bunt gemischt. So der Amtsleiter, der Vizebürgermeister, Bauern, Angestellte, Unternehmer und der Herr Pfarrer. Wir haben erst am Schluss erfahren, dass er da ist. Er ist offensichtlich als Mensch gekommen, schön einen solchen „Seelsorger“ im Ort zu haben. Wir, Lukas und Georg, danken euch allen für den so angenehmen und erlebnisreichen Tag, das WIR ist spürbar. Wir freuen uns auf alles weitere, was in Kirchberg noch entstehen darf.

Einen herzlichen Dank an Gerhard Weinberger, wahrlich ein großer Schatz, der im Vorstand vom  Tauschkreis Niederösterreich mitarbeitet und sehr leise wirkt.

An Herrn Bürgermeister einen abschließenden Dank für das entgegengebrachte Vertrauen. Denn ohne seine  - auch emotionale - Unterstützung wären wir nicht nach Kirchberg gekommen.

 

Weitere Eindrücke: